Hinter den Kulissem:
Joachim Raffel im Gespräch
In Vorfreude auf das Jazzkonzert des Joachim Raffel 4tet am Samstag, den 24. Oktober um 20 Uhr im Piesberger Gesellschaftshaus hat Christine Oeser den Osnabrücker Komponisten und Musiker befragt.
Wie lange lebst du schon in Osnabrück?
Raffel: Nach Osnabrück hat mich der Weg in den 1980er Jahren geführt, wo ich, nachdem ich von 1987 bis 1992 an der Amsterdamer Hochschule der Künste Jazz Piano studiert habe, seit 1992 kontinuierlich wohne.
Welche Erfahrungen verbindest du mit dem Piesberger Gesellschaftshaus?
Raffel: Mit dem Gesellschaftshaus verbinde ich auf jeden Fall das wunderbar gesellige Flair im Außenareal, sei es bei Open-Air-Theater oder einfach nur zum Kaffee und Kuchen. Und beispielsweise so erfolgreiche Ausstellungseröffnungen, wie vor nicht allzu langer Zeit die von Erneste Junge, welche neben ihrem bemerkenswerten tänzerisch-choreografischen Schaffen immer wieder mit ihrer Kunst fasziniert.
Wofür steht der Titel des Konzertes: „Trilogies“?
Raffel: Die Stücke zweier Trilogien, die – wie alle übrigen Stücke auch – aus meiner Feder stammen, sind äußerst prägender Bestandteil des Programms. Daher der Titel. Auch, wenn wir die Trilogie “Questions And Answers” sowie “The Taking Time Trilogy” nicht in ihrem Gesamtzusammenhang spielen werden, sondern die ja insgesamt sechs Stücke dramaturgisch durchdacht mit den weiteren Stücken im Programmverlauf verweben werden, entfalten sie eine sehr zentrale Wirkung.
In deiner Musik suchst du immer wieder neue Wege und Klänge zu vereinen. Dabei entsteht etwas völlig Neues. Was hat dich diesmal inspiriert?
Raffel: Nachdem das 2024er Album “Rising Red” im Duo mit Shabnam Parvaresh an der Bassklarinette sich in den Bereich der improvisierten Musik hinein begeben hat, geht die Reise mit meinem neuen Quartett deutlich zurück zu meinen ganz persönlichen Jazz-Wurzeln. Einflüsse von Bop und Blues etwa schimmern durch, manchmal deutlich hörbar, manchmal nur als subtile Färbung. Wirkungsvolle Melodien sind mir sehr, sehr wichtig. Ebenso wie spannende harmonische Verläufe meiner Musik, Überraschendes gern. Und, nun natürlich mit der grandiosen Rhythm Section: Swing, Swing, Swing!
Wie würdest du selbst deine Musik beschreiben?
Raffel: Meine Musik hat einen stark erzählerischen Charakter. So z.B. die Stücke der Ende vorigen Jahres entstandenen “The Taking Time Trilogy”. Die Stücke der Trilogie sind episodisch angelegt, mit mehreren kontrastierenden Teilen. Etwa wie unterschiedliche Szenen eines Films oder eines Theaterstücks. Dadurch bieten sie viel Abwechslung und Raum für die Hörer:Innen, sich in der Fantasie eigene Vorstellungen zu machen. Das Erzählerische und der Fantasie Raum Bietende ist ebenso ganz wesentlicher Bestandteil meiner Balladen, wie etwa “Night Song” oder “Moments Of Memories”.
Eines deiner Stücke stellt eine Hommage an den großen Filmmusikkomponisten Ennio Morricone dar. Welche musikalische Beziehung hast du zu ihm?
Raffel: Als jemand, der selbst einmal Gelegenheit hatte, die Musik für einen Film zu schreiben (den Mystery Thriller “Daimonion” mit Clara Plume in der Hauptrolle, welcher 2014 beim Filmfest Freiburg Premiere hatte), ist Ennio Morricone für mich natürlich unumgänglich. Was für ein Motiv, das aus nur drei Tönen bestehende Harmonica-Motiv aus Sergio Leones “Spiel mir das Lied vom Tod”! Spannenderweise ist nun Ilario Maggi, der italienische Gitarrist meiner neuen Band Student von Rocco Zifarelli gewesen, der wiederum über 20 Jahre hinweg der Gitarrist Ennio Morricones war! Zufall?
Gibt es im Laufe des Konzertes womöglich noch andere musikalische Reminiszenzen oder Überraschungen?
Raffel: Bei dem einen oder anderen meiner Stücke, wie etwa “For Sure” aus der Trilogie “Questions And Answers”, dürften aufmerksam Hörende bemerken, dass Jazz-Piano-Ikone Thelonious Monk wirklich nicht spurlos an mir vorbeigegangen ist. Oder dürften Einflüsse des unfassbaren John Coltrane, welcher gerade 100 Jahre alt geworden wäre, in “Being Off” hören. Mein Debütalbum aus dem Jahr 1994 heißt übrigens “Thinkin´ Of Trane”.
Wie kam die neue Quartett-Konstellation zustande?
Raffel: Die Basis für das neue Quartett bildete meine bereits bestehende Zusammenarbeit mit Ilario Maggi, mit dem ich ja 2025 die CD “Asking Twice” veröffentlicht habe. Um als Ergänzung des eher intimen Duos auch ein größeres Format mit mehr “Wucht” anbieten zu können, entwickelte sich mit dem Schreiben diverser neuer Stücke auch die Idee einer Aufstockung des Duos zum Quartett.
Was bedeutet es für dich, mit Ilario Maggi, Alex Morsey und Niklas Walter zusammen zu spielen?
Raffel: Zwei der genannten Musiker durfte ich ja bereits durch intensive Zusammenarbeit enorm schätzen lernen, wenn auch zu ganz unterschiedlichen Zeiten. Ilario eben aus der jüngsten Zusammenarbeit als Duo, Alex Morsey aus der Zusammenarbeit in meinen Trio- und Sextettbesetzungen der Jahre 1999 bis 2009. Das Joachim Raffel Sextett mit Stephan Struck (Trompete), Jan Klare (Altsaxophon), Robert Kretzschmar (Tenorsaxophon), Alex Morsey (Kontrabass) und Christian Schoenefeldt (Schlagzeug) wurde im Jahr 1999 Preisträger des Wettbewerbs “Jazzpodium Niedersachsen”. Das dann im Jahr 2000 beim Label “Jazz4Ever” erschienene erste Album “In Motion” der Band lief damals landauf und landab in den Jazzsendungen. Alex Morsey erzählte mir, wie er es auf der nächtlichen Rückfahrt von einem Konzert im Deutschlandfunk gehört habe …
Alex ist auch derjenige, welcher mir Niklas Walter, den Schlagzeuger des Joachim Raffel 4tet empfohlen hat. Ein Glücksfall!!! Ich kannte Niklas bislang nicht. Wir korrespondieren exzellent in unseren rhythmischen Auffassungen und Niklas´ swingendes Spiel ist zum Hinknien, passt perfekt zu den Stücken von “Trilogies”.
Mit diesen Kollegen arbeiten zu können ist ein wahres Geschenk!
Wir freuen uns sehr auf das Konzert mit dir!