Sonntagskaffee im Kastaniengarten – Die Geschichte des Piesberger Gesellschaftshauses

Im Zuge der Anbindung der Stadt Osnabrück an das Eisenbahnnetz im Jahr 1855 war der Piesberg zu einem attraktiven Ausflugsziel geworden. So konnten die Osnabrücker nun vom Bahnhof Hasetor in wenigen Minuten zum Bahnhof Eversburg fahren, um von dort aus ihren Sonntagsausflug am Piesberg zu beginnen.

Allerdings fehlte ein Gesellschafts- und Versammlungsraum für die Bergleute und eine Einkehrmöglichkeit für die Ausflügler. Deshalb richtete 1870 der am Piesberg beschäftigte Bergmann Sinnemann ein Schreiben an den Magistrat der Stadt. Darin bat er um den Bau eines sogenannten “Restaurationsgebäudes”, das er auch gern selbst betreiben wollte, um vor allem den unverheirateten Bergleuten der Zeche und Geschäftsreisenden Kost und Logis zu bieten. Auch an die sonntäglichen Ausflügler wurde gedacht.

Bereits ein Jahr später wurde das Restaurations-gebäude am Rand des Zechenareals fertig gestellt und fand schon bald regen Anklang in der gesamten Bevölkerung. Besonders das Bergfest gewann an Bedeutung und zog nicht nur die Bergleute, sondern die gesamte Bevölkerung im Osnabrücker Land an. Daneben entstand ein reges Vereinsleben mit mehreren Gesangsvereinen.


Um dem zunehmenden Raumbedarf gerecht zu werden, wurde 1896/97 neben dem Restaurationsgebäude ein Saalbau errichtet. So stand nun ein Gesellschaftshaus zur Verfügung, das neben dem normalen Gaststättenbetrieb die Ausrichtung größerer Feste ermöglichte.

Im Jahr 1898 wurde die Zeche geschlossen. In den folgenden Jahren wurde das Gesellschaftshaus mit seinem großzügigen Saal für viele Eversburger und Pyer Vereine zum Vereinslokal und zum Ort für diverse Feierlichkeiten. Zudem wurden im Sommer sonntägliche Konzerte im Garten des Hauses ausgerichtet. So etablierte sich bereits damals das Gesellschaftshaus als Kulturstätte am nordwestlichen Stadtrand Osnabrücks.

Über viele Jahrzehnte wurden Feste gefeiert und Ausflügler kehrten gern ein, bis der Saal des Hauses Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste. Der Gaststättenbetrieb wurde noch bis in die 70er Jahre fortgeführt. Danach stand das Gebäude etliche Jahre leer. Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten konnte der Saal der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden.

1994 wurde dann der Piesberger Gesellschaftshaus e.V. gegründet, der das Haus mit neuem Leben erfüllte. Seitdem bietet das Piesberger Gesellschaftshaus Raum für zahlreiche Kulturveranstaltungen, Work­shops, regelmäßige Treffen von Gruppen, Kurse und für Familienfeiern bzw. andere besondere Anlässe. Damit ist das Piesberger Gesellschaftshaus, das zu den schönsten und markantesten Saalbauten des 19. Jahrhunderts im norddeutschen Raum zählt, heute wie damals ein Anziehungspunkt für jung und alt.
Über 50.000 Besucher kommen jährlich zu den Veranstaltungen des Piesberger Gesellschaftshauses.